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Kolumbien's Karibikküste - weißer Sand und Glaswellen?

  • Autorenbild: michaelmarquardt07
    michaelmarquardt07
  • 31. Jan.
  • 6 Min. Lesezeit

Nach einigen Wochen im Hochland von Kolumbien wollen wir uns nun in Richtung Karibikküste aufmachen. Vor allem Micha freut sich seit Monaten auf das Meer.


36 Grad und es geht noch heißer


Wir merken schon einige hundert Kilometer vorher, dass wir uns der Karibik nähern. Das Klima wird wärmer und die Nächte echt unangenehm zum schlafen. Trotz Ventilatoren und Lüftung will es nachts einfach nicht abkühlen im Camper. Wir schlafen letztendlich mit offener Tür, nachdem wir eine spezielle Konstruktion gegen Steckmücken gebaut haben. Die werden hier immer mehr und haben es vor allem auf Micha abgesehen.


Die Fahrt an die Küste kostet uns wieder mal einige Tage und noch viel mehr Nerven. Jeder, wirklich jeder Fahrtag ist anstrengend, obwohl wir in Summe nicht mehr als drei oder vier Stunden pro Tag fahren.


Der Sonntag bringt das Fass zum Überlaufen. Wir starten direkt mit einer Baustelle gleich um die Ecke vom Campingplatz. Die Umleitung führt uns durch die engen, steilen Gassen der Altstadt von Santa Fe de Antioquia. Das, was wir am Vortag bewusst umfahren haben, können wir nun nicht vermeiden. Ohne Untersetzungsgetriebe würden wir mit unserem Gewicht so manche Gasse nicht hochkommen. Hier gelten wohl andere Straßenbau Vorschriften wie in Europa (oder keine :-)). Auf der weiteren Strecke kommen unzählige Polizeikontrollen, ein Bauernstreik (2 Stunden Wartezeit vor einer Brücke), bis hin zu einem tödlichen Unfall. Aus geplanten zwei werden fast sechs Stunden. Unsere Nerven liegen blank! Diego hat natürlich auch kein Verständnis für solche lange Fahrten.




Steckmücken, Boomboxen und Hitze - unsere größten Herausforderungen


Auch die beiden Nächte auf der Strecke werden alles andere als angenehm. Wir schlafen mehr oder weniger an Nothalten, weil es entlang der Route keine Campingplätze gibt. Der erste Übernachtungsplatz im Wohngebiet von Santa Fe de Antioquia verspricht eigentlich eine ruhige Nacht. Wir haben einen Pool und einen wunderschönen Garten mit tropischen Früchten - nur leider feiert der Nachbar schräg gegenüber die ganze Nacht. Die Boomboxen laufen auf vollster Lautstärke bis um 6 Uhr morgens. Ich versuche Kontakt aufzunehmen, um mich zu beschweren (ist mir schon klar, dass es nichts gebraucht hätte), aber leider hört mich niemand. Klar :-)


Die zweite Nacht wird nicht gerade besser. Wir übernachten an einer Tankstelle, wo die ganze Nacht über LKWs an- und abfahren. Hoffentlich ist es an der Küste ruhiger (natürlich ist es das nie, in Südamerika ist man einfach gerne laut).


Unser erster Halt ist Nicocli, ein kleines buntes Dorf, in der Nähe der Grenze zu Panama. Das Meer ist enttäuschend trüb, das liegt wahrscheinlich auch am Ende der Regenzeit. Dennoch tut es gut, am Meer zu sein. Wir baden stundenlang im lauwarmen Wasser und genießen frische Kokosnüsse. Weiterer Pluspunkt: an unserem Stellplatz sind Boomboxen verboten :-)



Hier lässt es sich aushalten....
Hier lässt es sich aushalten....

Auf der Suche nach der perfekten Welle


Jetzt wird es Zeit für den ersten Surfspot. Michas eigentliches Ziel. An der Küste gibt es so gut wie keine "echten" Campingplätze. Unsere Strategie ist, bei schönen Unterkünften zu fragen, ob wir im Garten bzw. am Privatstrand parken und deren Einrichtungen (Pool, Dusche, Wifi etc.) nutzen dürfen. Und schließlich haben wir das perfekte Plätzchen bei San Bernardo del Viento gefunden. Laut Surf App sind die Wellen zu klein zum Surfen. Aber es hat sich schon immer gezeigt, dass für uns auf diese Aussagen kein Verlass ist. Bei unserem (Nicht-) Können weiß man nie, wo es wirklich funktioniert. Und natürlich ist aller Anfang schwer. Schließlich sind wir seit über einem Jahr nicht mehr auf dem Brett gestanden. Micha macht sich ziemlich gut. Ich tue mich eher schwer. Vor allem fehlt mir aber der unbedingte Wille. Meine Leidensfähigkeit ist stark beschränkt. Wenn mir in einer Surfsession das Brett an den Kopf fliegt, ich vom Krebs gebissen werde und fünfmal in der "Waschmaschine" bin, dann reicht's mir. Der Ort ist dennoch sehr schön. Wir stehen mitten im Garten unter Kokospalmen, 20 Meter vom Sandstrand entfernt, haben einen Pool, Duschen und sogar ein Restaurant zur Verfügung. Gut, das mit dem Restaurant ist so eine Sache. Der Service in Kolumbien ist an den meisten Orten eher mau und an der Küste noch schlechter. Ungelerntes Personal, schlechte Kommunikation, kein Geschäftssinn. Wenn ich ein Softgetränk bestelle und zur Plastikflasche kein Glas bekomme, wenn mein Essen serviert wird und kein Besteck dazu, wenn es von 10 Sachen auf der Karte nur eine gibt, und fast immer ein Teil der Bestellung komplett vergessen wird. Das regt mich auf. Die meiste Zeit versorgen wir uns eh selbst. Das ist uns am liebsten, abgesehen davon, dass wir bei den Temperaturen jede Hitzequelle im Auto vermeiden wollen.



Diego hat mächtig Spass am Strand...
Diego hat mächtig Spass am Strand...

Schnell finden sich auch neue Freunde...
Schnell finden sich auch neue Freunde...

Schönes Panama, buntes Mexiko oder kaltes Deutschland?


Wir nutzen die ruhigen Tage ohne Fahr- und Einkaufsstress, um eine lang überfällige Entscheidung zu treffen. Wohin soll unsere Reise weitergehen?


Wenn wir von Kolumbien weiter nordwärts wollen, müssen wir unser Auto zwangsläufig verschiffen - entweder nach Panama nach Mexiko oder direkt nach Hause.


Die Option, auf dem südamerikanischen Kontinent zu bleiben, haben wir schnell verworfen, denn Venezuela ist momentan keine echte Reiseoption, und nach Süden wollen wir nicht nochmal. Und von Kolumbien reicht es uns nach drei Monaten, zumindest mir. Wir haben einige schöne Orte in dem Land gesehen. Die Leute sind sehr gastfreundlich und das Essen lecker. Echte Naturhighlights gibt es ehrlicherweise eher nicht. Zumindest nicht, wenn man sie mit dem vergleicht, was wir bereits in Südamerika gesehen haben. Natürlich ist die Tatacoa Wüste schön, aber an die Atacama Wüste in Chile kommt sie nicht ran. Natürlich ist die Karibikküste schön, aber an die Strände von Aruba oder die Surfspots in Peru bzw, Ecuador kommt sie nicht ran. Natürlich sind die Hochebenen schön, aber an das Grün von Ecuador oder die unendliche Weite von Argentinien kommen sie nicht heran. Nun ja, vielleicht aber auch Jammern auf hohem Niveau.


Nach vielen Tagen heißen Diskussionen steht die Entscheidung. Wir verschiffen unsere Auto nach Veracruz, Mexiko. Wir wollen uns auf den südlichen Teil diseses riesigen Landes konzentrieren, sowie Belize und Guatemala. Das bedeutet auch, dass wir unser Auto Anfang Januar im Hafen von Cartagena abgeben müssen. Wir haben also nur noch begrenzt Zeit in Kolumbien. Die wollen wir an der Küste verbringen, an den besten Surfspots (die es noch zu finden gilt).


Ab auf die Insel


Auf dem Weg liegen noch die Inseln des San Bernardo Archipels. Sie versprechen, türkisblaues Wasser und weiße Sandstrände und das nur 1 Stunde von der Küste entfernt. Klingt gut! Wir buchen Hotel und Bootsfahrt. Bei der Wahl des Hotels haben wir darauf geachtet, dass möglichst keine "Partymöglichkeiten" in der Nähe sind. Wir haben genug von Boomboxen und schlaflosen Nächten; tatsächlich hat sich die Recherche gelohnt. Wir sind auf der ruhigeren Seite der Insel Tintipan in einem kleinen schnuckligen Hotel. Zum Hauptstrand ist es eine kurze Bootsfahrt. Schon nach wenigen Minuten dort, sind wir froh, dass wir hier nicht wohnen. Um 9 Uhr trudeln die ersten Boote ein. Um 11 Uhr ist der gesamte Strand gepflastert mit Booten, eines lauter als das andere, und hunderten Touristen. Überall werden Cocktails, Essen, Massagen, Haarfrisuren und sonstiges verkauft. Wer seine Boombox vergessen hat, kann sich vor Ort eine leihen. Mal wieder ist es wie so oft: Die Inseln sind sehr schön, die Art, wie hier Tourismus betrieben wird, und das Zielpublikum widerstrebt uns!



An unserem Hotel geht es eher ruhig zu....
An unserem Hotel geht es eher ruhig zu....

...ganz zu schweigen von dem Hauptstrand mit Boom Box verleih
...ganz zu schweigen von dem Hauptstrand mit Boom Box verleih

Santa Cruz del Islote - die am dichtesten besiedelte Insel der Welt
Santa Cruz del Islote - die am dichtesten besiedelte Insel der Welt

Wellenreiten ohne Ende


Jetzt geht's weiter entlang der Karibikküste in Richtung Osten. Micha hat noch ein paar potentielle Surfspots ausgesucht, alle in der Nähe von Palomino. Als wir den ersten Ort erreichen, sind wir schockiert wie groß die Wellen sind. Schwimmen ist übrigens wegen der starken Strömung verboten. Micha ist dennoch nicht zu bremsen und versucht sein Können, zu mehreren Tageszeiten. Ernüchternd. Ich traue mich ohne Surfcoach gar nicht erst ins Meer. Beide kommen wir schnell in der Realität an. Der Strand ist wohl für Fortgeschritte, sagt Aldo, mein Surflehrer. Und die Karibik ist sowieso anspruchsvoller als der Pazifik. Na dann, wir üben weiterhin täglich paddeln, immerhin ein gutes Workout. Insgesamt verbringen wir über einen Monat an der Küste. Wir machen Fortschritte, irgendwann geht jedoch unser Surfbrett kaputt. Ein Zeichen?


Meine Prognose, Diego wird mit 6 besser surfen als wir...
Meine Prognose, Diego wird mit 6 besser surfen als wir...


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