top of page

Grün, grüner, Jardin

  • Autorenbild: Marion Marquardt
    Marion Marquardt
  • 15. Dez. 2025
  • 5 Min. Lesezeit

Aktualisiert: 18. Jan.


Unser nächstes Ziel ist Jardìn, eines der wichtigsten Vogelschutzgebiete Kolumbiens. Wir haben schon von einigen Reisebekannten gehört, dass es hier sehr schön sein soll. Micha möchte unbedingt den endemischen Andenfelsenhahn vor die Linse bekommen - mindestens den.


Fahren, fahren, fahren


Bevor wir allerdings ankommen, liegen wieder viele Stunden im Auto vor uns. Kolumbien ist ein riesiges Land, mehr als dreimal so groß wie Deutschland. Die Distanzen zwischen den Highlights enorm, vor allem wenn man nur etwa 3-4 Stunden pro Tag fahren kann. Wir versuchen meist, zu Diego's Mittagsschlaf zu fahren, sind die Strecken länger, dann auch schon am späten Vormittag mit einer Mittagspause, anschließend einer kurzen Nachmittagsetappe. Diego ist zwar ein ganz guter "Autofahrer", aber irgendwann hat die Geduld ein Ende. Unsere natürlich auch. Wir müssen uns erst wieder ans Fahren in Südamerika gewöhnen, nach so langer Pause. Vielleicht können wir uns aber auch nie daran gewöhnen. Jede Google-Maps Prognose liegt mindestens 30% unter der echten Fahrzeit. Ständig Baustellen, massig LKW-Verkehr plus die unvorhersehbaren Straßenzustände. Wir sind jedes Mal wieder genervt.


Colombian Highway
Colombian Highway

Dadurch, dass wir nicht beliebig lang an einem Tag fahren können bzw. wollen, übernachten wir oftmals an "Notplätzen". Tankstellen sind ja sehr beliebt bei Overlandern, uns allerdings viel zu laut, da rund um die Uhr Trucks losfahren und ankommen. Jetzt, mit Diego an Bord, kommt noch dazu, dass man dort schlecht draußen spielen kann. Auf dem Weg nach Jardin fällt die Wahl auf ein Restaurant mit großen Parkplatz, sowie Pool und Kletterturm für Diego. Der Straßenlärm hält sich wider Erwarten in Grenzen, dennoch gönnen wir uns bei der Ankunft vorsorglich ein Bier. Wir ahnen schon, dass es zu gut ist, um wahr zu sein, immerhin zahlen wir nicht einmal für die Übernachtung. Da beginnen die Angestellten nach Feierabend (17 Uhr ) ihre Aufräumarbeiten, begleitet von lautstarker Musik. Das ineffiziente Geschehen wird von ständig mit (getunten) Motorrädern an- und abfahrenden Bekannten unterbrochen und endet erst kurz vor Mitternacht. Das Bier hat längst an Wirkung verloren...


Ein Paradies für Vögel


Am nächsten Morgen machen wir uns nun auf in Richtung Jardin. Ein sehr hübsches Städtchen; man merkt direkt, dass es für die Touristen aufgehübscht ist. Ein eindeutiges Indiz dafür sind die Toiletten: Klopapier, Klobrille, Licht und manchmal sogar Seife sind vorhanden. Das ist nicht selbstverständlich, keines davon!!! Nach einem guten Kaffee gehen wir noch einkaufen und quartieren uns auf dem Campingplatz ein. Und schon ist der Tag fast vorbei... um 18 Uhr wird es hier ja dunkel.


Am nächsten Morgen machen wir eine kleine Erkundungstour zu Fuß, vorbei an Wasserfällen, hinauf zu einem wunderschönen Aussichtspunkt. Hier kann man auch hervorragend Kolibris beobachten. Nachmittags macht sich Micha noch auf die Suche nach dem Andenfelsenhahn. Er ist momentan nur gegen 15 Uhr hier aktiv, dann zieht er weiter. Diego macht noch Mittagsschlaf, darum bleiben wir am Campingplatz. Dieser ist (für uns) der Beste in Kolumbien. Absolut ruhig, mitten im Grünen, große Flächen (zum Spielen) und überdachte Koch - und Relax Möglichkeiten (wenn's mal wieder regnet). Und das alles in Laufnähe zum Städtchen mit Restaurants und Cafés, sowie den Attraktionen. Perfekt!




Der Andenfelsenhahn mutet an wie aus einer anderen Welt
Der Andenfelsenhahn mutet an wie aus einer anderen Welt

Micha war erfolgreich. Gutes Timing. Der Andenfelsenhahn hat sich an seinen Zeitplan gehalten. Jetzt ist sein Fotografen Herz wieder "on fire" und er plant noch eine Tour mit Guide. Auf dem Nachbar Grundstück haben die endemischen Schwalbenfettschwänze ihr Nest und können gut beobachtet werden. Aber das ist nicht alles, an dem Beobachtungsposten finden sich innerhalb von wenigen Stunden zig verschiedene Vogelarten ein. Während Micha schon zur Morgendämmerung aufbricht, kommen Diego und ich am späten Vormittag nach. Diego sieht die Vögel allerdings lieber fliegen und rennt wild umher. Gut, dass Micha schon das meiste im Kasten hat :-)





Badetag bei den Kolumbianern


In der Nähe von Jardin gibt es noch die Cueva del Esplendedor. Eine wunderschöne Höhle im Dschungel, durch die ein Wasserfall verläuft. Die Hauptattraktion der Region. Das wollen wir uns nicht entgehen lassen. Wir entscheiden uns für eine Tour mit Jeep, ansonsten wären es etwa 18 km Fußweg. Das ist uns doch zu viel mit Diego. Als wir uns an der Agentur treffen, ahnen wir schon, dass wir nicht alleine sind. Dummerweise fällt unser Besuch auf einen Sonntag, viele Wochentouristen aus Medellin und Bogota sind unterwegs. Und so fahren wir in der Kolonne mit weiteren Jeeps auf die Anhöhe, von dort geht es dann etwa 20 min zu Fuß zur Höhle. Micha ist jetzt schon genervt. Er hat sein komplettes Fotoequipment dabei, inklusive Stativ. Kaum in der Höhle schmeißen sich alle Kolumbianer wild kreischend ins Wasser, schwimmen in den Wasserfall und planschen. Keine Chance auf ein Bild ohne Menschen. Die Zeit in der Höhle ist begrenzt, da dann schon die nächste Gruppe wartet. Fluch und Segen. Sobald sich alle abtrocknen, nutzt Micha seine Gelegenheit auf ein paar "Schnellschüsse". Alles andere als befriedigend natürlich. Ich persönlich hatte mir den Ausflug auch anders vorgestellt, und Diego wäre am liebsten baden gegangen. Das Wasser war allerdings um die 9 Grad kalt. Nun ja, solche Erfahrungen gehören auch dazu... Im Nachhinein hätten wir unseren Ausflug wohl lieber auf einen Wochentag legen sollen, am Wochenende besuchen bis zu 400 Touristen pro Tag die Höhle.


Naja, schon ganz nett hier....
Naja, schon ganz nett hier....

Wir genießen Jardin wirklich sehr, arbeiten einiges auf und gönnen uns auch mal eine Pizza. Schmeckt wirklich wie in Italien!



Gastfreundschaft und Vielfalt


Die Kolumbianer sind insgesamt wirklich sehr gastfreundlich. Bisher wohl - mit Brasilien - die herzlichste Bevölkerung in Südamerika. Wir werden überall warmherzig begrüßt, oftmals eingeladen. Hilfe ist immer da, wenn man sie braucht. Was uns hier oft landschaftlich nicht so vom Hocker haut, macht die Gastfreundschaft wett. Dazu die unglaublich bunte Vogelwelt und die vielfältigen Früchte. Kolumbien hat allein über 400 endemische Obstsorten. Uns eröffnen sich ganz neue Geschmäcker. Viele der Früchte werden gar nicht exportiert. Aber auch die "banale" Mango schmeckt hier einfach um Welten besser. Das Stück umgerechnet 10 Cent auf dem Markt oder noch besser direkt vom Baum gepflückt :-)


Über den Wolken...


Spontan fahren wir in den Nachbarort Jerico, eine Empfehlung des Ornithologen, mit dem Micha unterwegs war. Das heißt, etwa 2 Stunden Fahrzeit, laut Google Maps. Die Strecke entpuppt sich als Erdweg mit vielen Schlaglöchern, 10 kmh maximal. Es dauert mal wieder länger. Beide mit den Nerven am Ende und einer losen Schublade im Camper, haben wir fast unser Ziel erreicht, als auf einmal die Straße komplett gesperrt ist. Es wird gerade neu aufgeschüttet. Ich frage mal freundlich beim Baggerfahrer... Um 16 Uhr können wir durch. Das ist in mehr als 2 Stunden! Erstmal durchatmen. Dann wird es wohl heute nichts mehr mit dem Gleitschirmfliegen. Dafür sind wir nämlich unter anderem hergekommen. Der Ort ist perfekt dafür und der Campingplatz der Wahl ist gleichzeitig Paragliding Base. Am nächsten Morgen regnet es in Strömen, Nebel hängt in den Bergen. Wir genießen das Städtchen, hier gibt's auch wunderschöne Lederwaren. Leider haben wir fast keinen Platz für Einkäufe im Camper. Eine kleine Handtasche kann ich allerdings verhandeln. Wir harren bis zum nächsten Tag im Nebel aus, bis sich schließlich die Sicht lichtet und ich die Chance auf einen Tandemflug bekomme. Da zögere ich nicht lange. Diego schaut etwas verwundert, als seine Mama im Himmel verschwindet. Ich bin noch nie Gleitschirm geflogen, es ist wirklich ein magisches Gefühl. Ganz ruhig, kein Wind. Wir fliegen im selben Tempo wie die Vögel vor uns. Unter uns "50 Shades of Green". Nie habe ich so viel Grün gesehen wie in Kolumbien. Und von oben sieht es nochmal schöner aus.



Ready to go...
Ready to go...
5 Minuten Später....keine Sicht mehr
5 Minuten Später....keine Sicht mehr

Kommentare

Mit 0 von 5 Sternen bewertet.
Noch keine Ratings

Rating hinzufügen
bottom of page