Im Land der Maya - bienvenidos a Mexico
- Marion Marquardt

- 28. Feb.
- 6 Min. Lesezeit
Wir sind in Mexiko! Nach 2 erlebnisreichen und anstrengenden Wochen in Costa Rica, fliegen wir nach Veracruz. Dort wartet unser Camper auf uns. Das Schiff, die Dover Highway, ist schon eine gute Woche vor uns angekommen - voll im Zeitplan. Für uns heißt das, wir können sofort den Prozess starten, um das Fahrzeug offiziell nach Mexiko einzuführen. Noch steht es auf dem Hafengelände. Unsere Zollagentin Carina hilft uns bei dem für den Laien undurchsichtigen Schritten. Wir treffen uns direkt am Banjercito, der Behörde, die in Mexiko die temporäre Einfuhrgenehmigung (TIP) ausstellt. Anders als in allen bisherigen Ländern dürfte unser Camper hier 10 Jahre zollfrei bleiben. Das nutzen natürlich viele Langzeitreisende aus.
Warten auf's Fahrzeug
Bis zur Drogenkontrolle im Hafen vergehen einige Tage, eine ganz normale Wartezeit nach der Terminanfrage beim Zoll. Wir sind erstmal froh, ein paar Tage ohne Programm im Hotel zu sein... holen Schlaf nach, lassen Eindrücke sacken und organisieren dies und das (lokale SIM Karten, Wäsche waschen etc.). Die Inspektion am Montag verläuft reibungslos. Die Mexikaner sind tatsächlich recht streng und durchsuchen jedes Fach im Camper genau. Immer allerdings mit viel Respekt und Vorsicht. Nachdem auch der Drogenhund nichts findet, darf ich alles wieder einräumen. Fotos gibt's diesmal nicht, sogar das Mitnehmen vom Handy bei diesem Termin ist strengstens verboten... nun sollte es nur noch an einer Freigabe liegen, bis wir aus dem Hafen fahren dürfen. Nach zwei weiteren Tagen werde ich erneut zum Hafen zitiert. In meiner Fantasie steige ich ins Auto und fahre aus dem Gelände. In der Realität reihe ich mich zusammen mit hunderten LKWs ein, um Waage, Röntgen Scan und diverse Dokumentenkontrollen zu passieren. Das ganze kostet mich etliche Stunden und Nerven...
In zwei Tagen beginnt in Veracruz der Karneval - der zweitgrößte auf dem Kontinent, nach Rio de Janeiro. Dann wird Ausnahmezustand in der Stadt sein, viele Straßen gesperrt für Umzüge und Konzerte. Für uns kein Grund zu feiern, sondern schnellstmöglich die Stadt zu verlassen. Allerdings müssen wir dringend noch unsere Bremsbeläge wechseln lassen (nach mehr als 60.000 km höchste Zeit!). Edoardo ist ein guter Mechaniker und - da er selbst viel gereist ist - hilft er Overlandern schnell. Und so sind wir 20 Stunden später on the road. Theoretisch zumindest, denn wir müssen tanken, einkaufen, Wasser auffüllen etc. Ich bin froh, als wir auf die Autobahn in Richtung Süden abbiegen. Diese gezwungenen Aufenthalte an unfreiwilligen Orten, geprägt von Warten, angewiesen auf Dritte, fühlen sich für mich immer etwas unangenehm an. Immerhin haben Diego und ich die Zeit für einen Haarschnitt genutzt.

Nun wird es Zeit, das Land außerhalb der Stadt-Bubble kennenzulernen. Veracruz ist nicht besonders hübsch, zum Einkaufen ganz nett. Was uns allerdings echt schockiert, sind die Preise. Egal ob Restaurants, Klamotten oder Diesel - wir sind auf europäischem Niveau. Der Service ist etwas gewöhnungsbedürftig... überall gibt es unzählige Angestellte mit für uns nicht ersichtlichen Zuständigkeiten. Aber wie meist, ist Masse nicht gleich Klasse...
On the road again
Wir haben inzwischen unsere Route grob geplant, werden erstmal direkt in Richtung Osten fahren und müssen viele Kilometer hinter uns bringen. Immerhin ist die Autobahn einigermaßen gut - besser als jede Straße in Südamerika. Was es allerdings immer noch gibt, sind diese f... Bumps, Topes oder (nicht gekennzeichnete) Bodenschweller, oftmals mitten im nirgendwo, bergab oder sonst wo, wo sie keiner brauchen kann. Nicht nur eine Schublade im Camper ist uns dabei schon rausgefallen.

Auf den Spuren der Maya
Auf dem Weg liegen gleich mehrere Maya Stätten, darunter auch das recht bekannte Palenque. Das können wir uns natürlich nicht entgehen lassen. Die Organisation ist etwas wirr und nicht sehr besucherfreundlich. So kann man nur Tickets für denselben Tag und auch nur vor Ort kaufen. Dann stellt man sich an 4 verschiedenen Schlangen an. Der Nationalpark verlangt Eintritt, ebenso die INAH, die die Maya Stätten verwaltet; letztendlich gibt es den Parkplatz und den Bus ins Gelände separat zu löhnen. Echt nervig. Und wir haben gedacht, wir nähern uns mit dem Norden auch der Effizienz :-)
Die Maya Stätten hingegen sind tatsächlich sehr beeindruckend. Früh morgens sind nur wenige Touristen vor Ort und wir nutzen die Zeit für schöne Aufnahmen. Hier darf man sogar die meisten Gebäude besteigen und hat eine tolle Aussicht. Diego klettert fleißig :-)

Gleich um die Ecke (für mexikanische Verhältnisse) sind die Cascadas Agua Azul, was soviel bedeutet wie "blaues Wasser". Wunderschöne Wasserfälle mitten im Dschungel. Wir sind hin und weg vom Ausmaß und der Schönheit. Auch die Menschenmassen fehlen hier wider Erwarten, hat man doch überall in Palenque von Tagestouren dorthin gelesen. Diego hat nicht nur Spaß beim Baden, sondern wird auch gleich von den Dorfjungs beim Spielen integriert.


Nach einem zähen Fahrtag stehen weitere Maya Ruinen auf dem Programm. Wir fahren "mitten in den Dschungel" nach Calakmul. Die Straße dorthin ist allerdings bestens ausgebaut, die Tiere haben sich längst zurückgezogen, seit der umstrittene Maya-Zug ihr Territorium durchquert. Seit Ende 2024 ist die Strecke mit 34 Stationen, an deren Planung auch die deutsche Bahn beteiligt war, in Betrieb und soll den nachhaltigen Tourismus fördern. So gar nicht nachhaltig ist eben der Eingriff in den Dschungel, wo tausende Hektar gerodet wurden. Die Ruinen allerdings, die etwa 60 km vom Bahnhof entfernt sind, sind noch inmitten der ursprünglichen Vegetation. Wir hören und sehen mal wieder Brüllaffen. Die Ruinen gehören zu den größten und höchsten Bauwerken der Mayas, mit etwa 50m. Von ganz oben bietet sich ein atemberaubender Ausblick über den Dschungel. Diego hat an dem Tag leider so gar keine Lust mitzumachen und wir schleppen ihn jede einzelne Stufe hoch und runter. Die Stimmung zieht sich durch den ganzen Tag, auch als wir nachmittags die Maya Stadt Bécan besichtigen. Dort sind wir tatsächlich die einzigen Touristen. Die Stätte ist beeindruckend und wurde von einem Verteidigungsgraben umringt. Obwohl man merkt, dass sich die Natur ihren Raum langsam zurückerobert, ist es doch erstaunlich, wie gut erhalten die steinalte Stadt ist (Gründung etwa im 6. Jahrhundert vor Christus!).

Endlich Karibikfeeling
Nun geht's für uns schnurstracks in Richtung Laguna Bacalar. Seit der Karibikküste in Kolumbien sind wir auf der Suche nach kristallklarem, türkisblauem Wasser. Werden wir nun endlich fündig? Immerhin hat die Lagune auch den Beinamen "Siete Colores", also 7 Farben. Wir werden nicht enttäuscht. Pünktlich zu meinem Geburtstag treffen wir im Paradies ein. Am Campingplatz gibt es direkten Zugang zur Lagune, über einen Nebenarm. Wir genießen das Wasser vom Kajak aus und schwingen an der Liane in warme Nass. Was ein Spaß für Jung und Alt. Wir verbringen eine ganze Woche an der Lagune, an unterschiedlichen Orten. Mit Viktor fahren wir mit dem Boot raus, unter anderem zum Canal de los Pirates, ein Meerzugang, der früher wohl für Angriffe genutzt wurde. Die Maya hatten daher auf der gegenüberliegenden Seite eine Überwachungsfestung gebaut; auch heute noch ist hier ein Marine-Stützpunkt. Die Präsenz ist seit der Exekution des Drogenbarons El Mencho vor wenigen Tagen deutlich erhöht. Regelmäßig sieht man Militär und Polizei gemeinsam auf Patrouille - immer schwer bewaffnet.


Viktor erklärt Einiges über die Entstehung der Lagune. Sie ist übersät mit sogenannten Stromatoliten, einer der ältesten Lebensformen unseres Planeten. Man kann sie sich als lebendige Steine vorstellen, Mikroorganismen, die CO2 in Sauerstoff umwandeln. Die Lagune wurde nach und nach mit Wasser gefüllt. Die gesamte Halbinsel Yucatan ist durchzogen von einem gigantischen unterirdischen Fluss- und Höhlensystem. Durch den Einsturz der fragilen Kalksteindecke an manchen Stellen, entstanden die einzigartigen Cenoten, für die diese Region so bekannt ist. Sieben davon befinden sich in der heutigen Lagune und haben diese im Laufe der Zeit "befüllt ". Man erkennt sich deutlich durch die dunklere Farbschattierung, einige sind bis zu 64 m tief, während die Lagune an sich an den meisten Stellen recht flach ist. Oft kann man sogar stehen. Die weiteren Farben entstehen durch Lichtreflektionen auf dem kristallklaren Wasser.
Ein ganz besonderer Spaß sind die sogenannten Los Rapidos, eine Verengung der Lagune auf wenige Meter mit einer leichten Strömung. Wir brechen frühmorgens auf und paddeln mit dem Kajak durch den Kanal, bevor die Touristenmassen ab 10 Uhr gegen ordentlich Eintritt direkt von den Plattformen reinspringen. Herrlich!
Nun verbringen wir noch ein paar Tage bei Chetumal, am Meer. Wir erledigen einige Dinge und planen unsere Weiterfahrt ins nächste Land - nach Belize.































































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