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  • AutorenbildMarion Marquardt

Die Besteigung des Vulkans Villarrica – einer der drei aktivsten Vulkane Lateinamerikas

Einer der wohl bekanntesten Vulkane Chile’s zieht uns magisch an
Wir machen atemberaubende Nachtaufnahmen unter dem perfekten Sternenhimmel
Trotz Warnstufe „gelb“ nähern wir uns dem Krater bis auf wenige hundert Meter
Naturgewalten sind nicht zu unterschätzen - der aktive Vulkan fordert seinen Tribut

Wir sind wieder in Chile, auf dem Weg zum Vulkan Villarrica. Inzwischen haben wir schon einige Vulkane in Chile gesehen und teilweise bestiegen – ein aktiver war allerdings noch nicht darunter. Das sollte sich ändern. Der Vulkan ist zuletzt 2019 ausgebrochen, in den letzten 500 Jahren wurden insgesamt über 50 Ausbrüche registriert.


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Von Sonnenschein zu Nieselregen und Nebel - typischer Grenzübergang von Argentinien nach Chile

Bei typischem Nieselregen überqueren wir die Grenze nach Chile. Tatsächlich konnten wir dieses Phänomen bei unseren unzähligen Grenzübertritten oft beobachten: in Argentinien scheint die Sonne, in Chile regnet es. Immerhin verspricht der Wettertrend zwei perfekte kommende Tage. Wir platzieren uns auf dem Parkplatz vom Skilift des Vulkans Villarrica - und sehen nichts vor lauter Nebel. Wir haben keine Ahnung, in welcher Richtung sich der Vulkan überhaupt befindet. Am kommenden Tag gegen 10 Uhr morgens reißt es auf. Und vor uns liegt der mächtige 2.861 m hohe Vulkan mit dem perfekt kegelförmigen Krater. Wow! Wir genießen den sonnigen Tag auf 1.200 m und tanken Energie für den nächsten Tag. Unser Ziel ist die Vulkanbesteigung. Gerade ist allerdings Warnstufe „gelb“, was bedeutet, der Vulkan ist erhöht aktiv und man darf sich dem Krater nur bis auf 1 km nähern. Immerhin!


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Warnung - für deutsche Touristen extra in Landessprache

In der Nacht sieht man tatsächlich das rote Magma leuchten. Nicht mit bloßem Auge, aber die Langzeitbelichtung der Kamera macht’s möglich. Und das ganze unter einem irren 360° Sternenhimmel mit Milchstraße. Solche Übernachtungsplätze sind einfach unbezahlbar.


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Villarrica unter'm Sternenhimmel

Am nächsten Morgen machen wir uns früh auf in Richtung Vulkan. Immerhin liegen mindestens 1.200 Höhenmeter vor uns – je nachdem, wie weit wir uns dem Krater nähern wollen oder können. Der Skilift ist im Moment leider außer Betrieb, sonst hätten wir uns einige Höhenmeter ersparen können. Bei genauerem Anblick sind wir allerdings recht froh darum. Die Konstruktion sieht nicht sehr vertrauenswürdig aus. Wir können uns kaum vorstellen, dass sie im Winter zur Skisaison betriebsbereit ist.


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Die Bergstation des Skilifts - nicht gerade vertrauenswürdig

Das Gelände ist recht mühsam für den Aufstieg. Auf Vulkansand läuft es sich wie auf Dünen. Ein Schritt vor, zwei zurück, oder so ähnlich. Schließlich gelangen wir an ein Gletscherfeld. Und diesmal haben wir in weiser Voraussicht unsere Steigeisen dabei.


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Vergletscherter Krater - wir haben es fast geschafft

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Was ein Ausblick - der Aufstieg hat sich gelohnt!

Wir treffen einen Guide, der uns warnt, recht viel weiter aufzusteigen. Durch die vulkanische Aktivität gibt es viel Steinschlag. Das können wir auch beobachten. Wir begnügen uns mit einem Aufstieg bis etwa 400 Höhenmeter unter dem Kraterrand. Leider können wir so nicht mit bloßem Auge hineinsehen, aber es reicht gerade für einen Drohnenflug, die Software-seitig bei 500 Meter Höhe abriegelt. Auf dieser Höhe weht leichter Wind, allerdings sollte das für die Drohne kein Problem sein. Sie hat schon stärkere patagonische Winde gemeistert. Plötzlich – schon auf Kraterhöhe – höre ich Micha panisch rufen, dass er die Drohne nicht mehr steuern kann. Zahlreichen Warnungen wegen zu hoher Windgeschwindigkeit zum Trotz, hat er alles für das perfekte Fotomaterial riskiert. Und ihr ahnt es wahrscheinlich schon … Die Funkverbindung ist irgendwann verschwunden. Den letzten Standort können wir dank des Logbuchs eingrenzen: auf der Südseite, etwa 200 m vom Krater entfernt, inmitten des Gletscherfeldes. Micha ist entsetzt, wütend, aufgebracht. Ich bin fassungslos. Der Vulkan hat wohl so eine Dynamik in der Nähe des Kraters, dass das winzige Fluggerät keine Chance hatte. RIP Mavic Air 2. Ironischerweise ist es nicht die erste Drohne, die bei einem vom Micha’s ehrgeizigen Einsätzen draufging. So wurde schon das Vorgängermodell im norwegischen Geirangerfjord versenkt. Zu den letzten Lessons-Learned „Fliege keine Drohne im Fjord“ und „Steuere keine Drohne aus dem Kajak“ kommt nun ein weiteres…


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Immerhin konnten wir die letzten Drohnenaufnahmen aus dem Cache retten...

Frustriert machen wir uns beide an den Rückweg. Immerhin ist dieser einer der angenehmsten Abstiege ever. Der Vulkansand ist sehr gelenkschonend und das Gefälle von bis zu 40° lässt uns innerhalb von 1,5 Stunden unten ankommen. Gut, dass wir die Abend- und Nachtaufnahmen schon im Kasten haben… denn nun zieht es innerhalb von Minuten zu und wir stehen wieder im Nebel. Dort wo alles begann.


Nach der insgesamt vierten Vulkanbesteigung in Chile und weiteren zahlreichen Trekkings in Patagonien sehen unsere Wanderschuhe nun ganz schön mitgenommen aus. Das Profil ist so gut wie unten. Zeit für neue Aktivitäten. Wir fahren in Richtung Küste… das Surfbrett auf unserem Dach muss schließlich auch mal zum Einsatz kommen. Yeah!

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