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  • AutorenbildMarion Marquardt

Estancia Helsingfors – die unbekannte Ecke des Nationalparks Los Glaciares

Aktualisiert: 26. März 2023

Willkommen im Auenland – sattgrüne, sanfte Hügel erinnern uns an die Filmlandschaft
Ein Schaf in Not – wir retten ein kleines Lamm vor dem sicheren Tod
Die türkisblaue Laguna Azul macht ihrem Namen alle Ehre
Geheimtipp in El Chalten – das Valle Electrico bleibt von Touristenmassen verschont

Wir haben die bekannten Ecken des Nationalparks Los Glaciares durch. Mit El Calafate und El Chalten als Ausgangspunkte haben wir die großen Tore in die Gletscherlandschaft erkundet (>>> siehe unser Blog). Zeit für einen Geheimtipp – Estancia Helsingfors, genau zwischen den beiden Orten gelegen. Er ist alles andere als bekannt und frequentiert. Nur eine 70 km lange Schotterpiste führt von der Ruta 40 aus dorthin. Das klingt nach einem Ort für uns!


Fast 3 Stunden brauchen wir für die sehr holprige Strecke zu unserem Ziel. Zunächst erwartet uns kilometerweite Pampa. Dürre, öde Landschaft, in der sich nur das ein oder andere Guanaco verirrt. Der 1600 m² große Gletschersee Lago Viedma liegt zu unserer Rechten, aufgewühlt vom Wind. Riesige Wellen rollen am Strand an – man könnte fast an Surfen denken, wären da nicht die Wassertemperaturen um den Gefrierpunkt. Die Landschaft verändert sich nur langsam. In der Ferne blitzen schon die ersten Gletscher hervor. Um uns herum nichts. Auf einmal sehen wir ein Lamm, das sich in einem Kuhgitter verfangen hat. Mit allen Vieren hängt es drin, keine Chance sich selbst zu befreien. Die Herde hat es schon aufgegeben und ist weiter gezogen. Das können wir nicht mit ansehen. Kurzerhand nähern wir uns dem armen Ding und es lässt sich bereitwillig helfen. Micha hebt das flauschige Tier heraus und schon springt es davon. Anfangs noch leicht humpelnd, aber dann immer schneller rennt es in Richtung Herde. Wir sind erleichtert!



Die letzten Kilometer verändert sich die Landschaft dramatisch. Flamingos baden in den kleineren Seen. Sattgrüne Wiesen und sanfte Hügel liegen vor einer weiten Gletscherlandschaft. In der Ferne sieht man die markanten Konturen des Fitz Roy. Wir sind angekommen. Die Straße endet an der privaten Estancia Helsingfors. Gleich nebenan ist eine Ranger Station. Momentan ist keiner da. Wir parken dort, im Windschatten. Wie es sich gehört, statten wir zunächst unseren Nachbarn von der Estancia einen Besuch ab. Es handelt sich um ein exklusives Hotel, das nur All-Inklusive-Pakete anbietet. Sprich, es kommen kleine Gruppen von Touristen – vorrangig aus den USA – die für wenige Tage das „Estancia-Erlebnis“ auskosten wollen. Gute argentinische Küche, Kaminfeuer und die ein oder andere Aktivität, wie Ausritte oder Wanderungen. Mit einer echten „Arbeitsranch“, wie der Estancia Mercedes (>>> siehe unser Blog) hat das allerdings nichts zu tun. Wir passen auch nicht wirklich ins Schema – ein einzelner Ausritt ist nicht buchbar. Nun ja, wir genießen die Schönheit der Natur und die Ruhe für uns. Unter anderem bei einem Mate Tee aus meiner neuen, selbstgemachten Tasse aus Stierhoden Leder. Ein Souvenir der Estancia Mercedes :-)


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Stilecht Mate Tee genießen



Am nächsten Tag mache ich mich auf den Weg zur Laguna Azul, eine Gletscherlagune in der Nähe. Micha hat keine Lust, mich zu begleiten. Zu windig. Der Weg ist einfach, steht ja auch auf dem Touristenprogramm der Estancia. An dem Tag ist gottseidank niemand unterwegs. Ich genieße die raue Natur für mich und fühle mich frei. Am Ende erwartet mich eine strahlend blaue Laguna vor der Gletscherkulisse. Auch wenn ich inzwischen schon einige solcher Orte gesehen habe, bin ich immer wieder begeistert. Man kann spüren wie sich die Natur in der Nähe der Gletscher verändert. Kalte Luft strömt einem entgegen, die Vegetation wird spärlicher, das Wetter, unten im Tal noch sonnig, wird rauer. Graupel zieht auf. Aber dafür habe ich ja eine gute Jacke.



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Rauhes Klima, aber dennoch wunderschön



Unseren geplanten Kajakausflug auf dem Moyano Fjord müssen wir leider ausfallen lassen. Entgegen guter Prognosen nimmt der Wind nicht ab. Das Wasser ist so rau, wir würden keinen Meter vorankommen. Zeit, noch einmal nach El Chalten zu fahren. Das charmante Städtchen liegt (fast) auf unserem Weg Richtung Norden. Wir wollen, wenn möglich, von dort auf das Eisfeld, zum sogenannten Circo de los Altares. 6-8 Tage dauert die Expedition, um das südpatagonische Eisfeld im Westen der spektakulären Gipfel von El Chalten zu überqueren. Leider ist das Wetterfenster zu schlecht dafür. Extreme Winde und Schnee sind vorhergesagt – keine guten Voraussetzungen, um auf einem Eisfeld unterwegs zu sein. Der Ranger sagt uns, dass leider schon Leute bei solchen Bedingungen auf dem Eisfeld gestorben sind. Das Einzige was man bei Winden um die 100km/h machen kann, ist im Zelt ausharren - auch nicht so verlockend. Wir begnügen uns daher mit einer Wanderung im Valle Electrico. Das haben wir bei uns letzten Besuch in El Chalten (>>> siehe unser Blog) offen gelassen. Nicht allzu viele Leute verirren sich dorthin. Der Trailhead liegt etwa 15 km außerhalb des Zentrums. Umso idyllischer ist die einfache Wanderung, die im Flusstal durch den Wald führt. Nach etwa 2 Stunden erreichen wir das Refugio Piedra La Fraile. Von dort aus laufen wir noch etwas weiter, um am Ufer des Lago Electrico zu zelten. Wir sind für uns, am Fuße des markanten Marconi Gletschers. Nach einer Runde Yoga am nächsten Morgen brechen wir zum Rückweg auf.


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Der Lago Electrico nach Sonnenuntergang



Zum ersten Mal auf unserer Reise sind wir wirklich am Boden zerstört, da der Circo de los Altares ein Traumziel von uns war. Wir brauchen einige Zeit, um uns wieder für neue Projekte zu motivieren.


Dabei hilft hoffentlich ein Ortswechsel. Mit diesen Gefühlen verlassen wir daher auch El Chalten. Jetzt wollen wir erstmal weiter in Richtung Norden reisen. Nach etwa 2 Monaten in der Gegend wird es Zeit für neue Eindrücke. Wir sind uns allerdings sicher, dass wir wiederkommen. Zu viele Abenteuer sind auf der Bucketlist stehen geblieben :-)

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