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  • Marion Marquardt

Von Buenos Aires bis Montevideo und erste Lektionen in Südamerika - Tranquilidad, paciencia e mañana

Aktualisiert: 29. Nov. 2022

Buenos Aires – europäisches Großstadtflair und erste Eindrücke der argentinischen Kultur
Weltkulturerbe - Magische Sonnenuntergänge im malerischen Städtchen Colonia del Sacramento
Liebe auf den zweiten Blick - Montevideo's schöne Ecken und das Flanieren am Strand
Von Zollbehörden und Drogenschmuggel - Geduld ist gefragt, bis wir unser Expeditionsmobil ausgehändigt bekommen
Ein Speedbump wird uns zum Verhängnis - Deutsche Auswanderer helfen uns aus der Patsche

Endlich ist es soweit – wir sind in Buenos Aires gelandet. Die Reise dorthin war nicht ohne Thrill. Gleich beide Flüge gehen uns fast durch die Lappen. Unseren Abflug in Frankfurt verpassen wir um ein Haar, da ein Zug von Stuttgart ausfällt. Und die Verbindung von Houston, USA, ist auch extrem eng kalkuliert. Weil ein Transit wie eine Einreise in die USA behandelt wird, durchlaufen wir das komplette Einreiseprozedere. Dementsprechend müssen uns wie alle anderen Passagiere in die Warteschlange bei der US Border Protection einreihen. Hier hat man kein Verständnis für Anschlussflüge oder Boarding. Und bei 2 von 25 besetzten Schaltern kann sich die Wartezeit schon hinziehen.


Wie dem auch sei – wir sind angekommen! Nach mehr als 24 Stunden unterwegs wollen wir uns ein Taxi zu unserem zentral gelegenen Hotel gönnen. Da werden wir erstmal ordentlich abgezockt. Selbst schuld, denn überall stand, man soll vorab am offiziellen Schalter den Fahrpreis kalkulieren lassen, so dass die Taxifahrer nicht willkürlich abrechnen können. Naja, ein kleiner Schock gehört wohl auch dazu. Wir haben uns für 3 Nächte in Buenos Aires einquartiert. Solange dauert es mindestens noch, bis unsere Containerpartner Joachim und Resi, mit denen unser Auto in einem Container ist, ankommen. Nach einer kurzen Erholung von der langen Reise starten wir am nächsten Tag unsere Erkundungstour durch die Großstadt. Überall wird einem unüberhörbar „Cambio, cambio“ (zu Deutsch "Geldwechsel") nachgerufen. Erst im Nachhinein verstehen wir, was sich dahinter verbirgt. Die Argentinier versuchen, aufgrund deren hoher Inflation, an US Dollar zu kommen, und tauschen zu einem Kurs, der fast doppelt so gut wie der offizielle Wechselkurs ist. Das müssen Sie auf diese Weise machen, da der Staat den Umtausch heimischer Währung zu Devisen stark reglementiert. Es existiert neben dem offiziellen Kurs also der sog. "Blue Market Kurs". Eigentlich dumm, wenn man am Geldautomat argentinische Pesos abhebt. Zu diesem Kurs ist die Hauptstadt nämlich nicht gerade günstig. Aber mit einem anderen Wechselkurs, sieht die (argentinische) Welt natürlich schon anders aus :-) Nur leider haben wir viel zu wenig USD im Gepäck…


Buenos Aires Michael Marquardt
Marion mit Reisegepäck in Buenos aires

Viel gibt es unserer Meinung nach in Buenos Aires nicht zu entdecken. Dennoch haben wir ein paar Viertel, die wir sehen wollen, auf der Liste. Und dann brauchen wir noch lokale SIM Karten. Letzteres gestaltet sich um einiges aufwändiger als gedacht; denn kaufen kann man Prepaid Karten zwar an jeder Ecke bzw. jedem "Kiosco", die Aktivierung als Ausländer ist allerdings nicht so einfach. Wir werden sprichwörtlich von Pontius zu Pilatus geschickt und kommen uns vor wie Asterix im Haus, das Verrückte macht. Das Ganze verdoppelt sich, da wir bewusst zwei unterschiedliche Anbieter gewählt haben, um unsere Netzabdeckung zu optimieren :-)


Ganz nebenbei kommen wir nach San Telmo, einem quirligen, zentralen Viertel. Die Markthalle lockt mit lokalen Spezialitäten, wie argentinischem Kaffee und Dulce de Leche (ein Brotaufstrich aus Milch, Zucker und Vanille), sowie internationaler Küche. Gleich um die Ecke, am Plaza Dorrego, entdecken wir das, was wohl jeder sofort bei Argentinien im Kopf hat – Tangotänzer. Das rassige Paar fetzt bei lautstarker Musik quer über den Platz, so klischeehaft und doch absolut beeindruckend. Am nächsten Tag wollen wir uns Palermo anschauen, ein weiteres schönes Viertel. Leider geht die meiste Zeit des Tages für unsere Handygeschichte drauf, so dass wir erst gegen abends dort ankommen. Die Häuser dort sind schön bunt, wir entdecken hippe Geschäfte und eine unglaubliche Vielfalt an Restaurants.


Tangotänzer in San Telmo am Plaza Dorrego Buenos Aires Argentinien Südamerika Großstadt Highlights Tanzen
Tangotänzer in San Telmo am Plaza Dorrego


Am nächsten Tag geht es auch schon weiter nach Uruguay. Von Buenos Aires haben wir genug gesehen. Mit der Fähre sind es nur 1,5 Stunden nach Colonia del Sacramento. Die älteste Stadt Uruguays und Weltkulturerbe wollten wir auf jeden Fall anschauen. Jetzt liegt sie auch noch günstig auf unserem Weg nach Montevideo, wo wir am Montag unser Auto abholen wollen. Wir haben traumhaftes Frühlingswetter mit sonnigen 20 Grad. Colonia ist recht klein, so dass wir die Stadt locker zu Fuß erkunden können. Unser erster Weg nachdem wir das Gepäck in unserer Unterkunft abgeladen haben, führt allerdings zum Handyladen. Micha’s Roaming versagt schon beim ersten Grenzübertritt. Die Mitarbeiterin im Laden klärt uns dann auf, dass bei Prepaidkarten nie Roaming dabei ist. Das hat uns in Argentinien natürlich niemand gesagt und war auch nicht wirklich zu recherchieren. Long story short, jetzt haben wir beide einen uruguayischen Handyvertrag mit Roaming auf dem gesamten amerikanischen Kontinent und ordentlich Datenvolumen zu einem fantastischen Preis! Das Rund-um-Sorglos Paket. Das ist die erste Erfahrung in Uruguay und sie wiederholt sich. Die Menschen sind sehr hilfsbereit, offen und total entspannt. Überall sieht man Leute, die einfach nur in der Sonne sitzen und Mate Tee trinken. Wir suchen uns auch erstmal ein nettes Café und genießen den sonnigen Spätnachmittag. Schließlich erkunden wir noch die Altstadt, zur perfekten Zeit für Photographien. Eine malerische Kulisse.


Die malerischen Strassen von Colonia del Sacramento Weltkulturerbe Uruguay Highlights Sehenswürdigkeiten Top Tips
Die malerischen Strassen von Colonia del Sacramento



Für unser Abendessen locken uns die Chivitos, die an allen Ecken angeboten werden - ein Sandwich mit einer Scheibe Fleisch, Käse, Tomaten, Mayonnaise und Spiegelei. Fastfood ist zwar nicht so Unseres, aber das Nationalgericht Uruguays wollen wir uns natürlich nicht entgehen lassen. Und was soll ich sagen, es schmeckt - mit Pommes und uruguayischem Rotwein dazu umso besser. Am kommenden Tag erkunden wir nach einem späten Frühstück weitere Teile der Stadt. Wir schlendern die Strandpromenade entlang und genießen die warme Frühlingssonne. Es ist Samstag und die Uruguayas tummeln sich am Strand, in den Parks oder einfach nur am Straßenrand, ganz typisch mit einer Tasse Mate Tee in der Hand und oftmals am Grillen beim "Asado". Ein sehr relaxtes Volk, wie es scheint. Und für uns ganz der Gegensatz zu den ersten Tagen in der hektischen Großstadt Buenos Aires.


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Die Strandpromenade von ...




Palmen im Abendlicht am Strand von Colonia del Sacramento Uruguay Must See Highlights Top Tips
Palmen im Abendlicht am Strand von Colonia

Nach einem ausgiebigen Spaziergang genießen wir den Sonnenuntergang in der Altstadt, zusammen mit unzähligen weiteren Personen. Hier findet ein regelrechter Sonnenuntergangstourismus statt. Und zu Recht – die Aussicht erinnert an Key West in Florida. Eine absolut magischer Anblick.


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Sonnenuntergang Extrem in Colonia


Am nächsten Nachmittag geht es für uns schon weiter nach Montevideo, denn am Montagmorgen um 10 Uhr haben wir einen Termin bei unserem Agenten Edoardo, um unser Auto abzuholen. Abends treffen wir noch unsere Containerpartner, die mit etwas Verspätung nun auch angekommen sind. Wir finden uns pünktlich im Büro von Edoardo ein. Fleißig werden Dokumente kopiert, bis wir erfahren, dass wir noch ein sog. Certificado de Llegada benötigen. Das bekommen wir im Meldeamt um die Ecke. Davor ist eine Warteschlange bis auf die Straße hinaus… das kann dauern. Uns ist nicht ganz klar, in welcher Reihenfolge oder Logik da gearbeitet wird, es erscheint eher willkürlich und ziemlich konfus. Nach knapp 3 Stunden haben wir schließlich das Dokument in der Hand. Wir sind gespannt, wie es weitergeht. Immerhin wollen wir noch heute einkaufen, tanken und einen ersten Campingplatz etwas außerhalb von Montevideo anfahren. Stolz präsentieren wir das Dokument im Büro von Edoardo, als wir erfahren, dass der Zoll unseren Container blockiert hat. Wir sind etwas verwundert. War das vorher nicht bekannt? Und immerhin ist das Schiff schon seit einer Woche im Hafen... Der Zoll macht wohl stichprobenartige Kontrollen wegen dem Schmuggel von synthetischen Drogen aus Europa – Glückwunsch! Ausgerechnet auf unserem Schiff wurden Drogen gefunden. Somit haben wir das Glückslos gezogen. Was können wir jetzt tun, fragen wir? Warten, ist die Antwort. Und wann wir den Container öffnen können, kann uns keiner sagen. Morgen, übermorgen, … Wir lernen die wichtigsten Worte in Uruguay „Tranquilidad, paciencia, mañana“, was soviel heißt wie Ruhe, Geduld und morgen :-)


Wir quartieren uns erstmal noch eine Nacht in Montevideo ein. Die Stadt hat uns bei unserer Ankunft am Sonntag nicht gerade überzeugt, aber was ist die Alternative? Das Wetter ist wunderschön, ein sonniger Frühlingstag wartet auf uns. Erstmal schlendern wir zur Markthalle am Hafen. Auch hier erwarten uns, wie in Buenos Aires, Grillgeruch und viele nationale Leckereien. Wir entscheiden uns für Cappuccino und eine torta alfajor (Anm. d. Red.: ein Schichtkuchen mit Dulce de leche). Dann schlendern wir die Strandpromenade entlang. Je später der Nachmittag, desto mehr Leute sind unterwegs - trinken Mate Tee, fahren Skateboard oder angeln. Wir entscheiden uns spontan, eine Runde zu joggen, nach den vielen Tagen in engen Hotelzimmern. Das tut so gut! Und die Strandpromenade ist wirklich sehr schön. Ab und zu gibt es kleine Sandstrände, grüne Parks, einen Skatepark – hier lässt es sich aushalten.


Skatepark an den Ramblas in Montevideo Highlights Uruguay MustSee Top Tips
Skatepark bei den Ramblas in Montevideo


Auch am Dienstag haben wir noch den ganzen Tag Zeit Montevideo zu erkunden. Wir laufen die Strandpromenade noch ein Stück weiter entlang, bis zum schmucken Viertel Pocito. Bei diesen Temperaturen herrlich. Am Ende des Tages erhalten wir eine Nachricht von Edoardo, dass wir uns morgen um 14 Uhr bei ihm im Büro treffen, um zum Hafen zu gehen. Das klingt vielversprechend. Wir hoffen vorsichtig, dass wir unser Auto bekommen. Und so kommt es dann auch, nach einer kurzen Wartezeit wird unser Container abgeladen und wir können ihn öffnen. Alles scheint in Ordnung. Es kommen übrigens keine Zoll- oder Polizeibeamten, die irgendetwas kontrollieren. Dies wurde im Vorfeld mit X-ray Technologie erledigt. Zur Belohnung fürs geduldige Warten, stellt man uns Hafengebühren für über eine Woche Containerlagerung in Rechnung. Tja, aber Argumentieren hilft da eh nicht. Wir sind froh, dass wir unser Auto heil haben und losfahren können.


Montevideo Hafen Eduardo Kessler Verschiffung Expeditionsmobil Container
Das Ausparken übernahm der Chef....


Nach dem Tanken geht es erstmal zu einem großen Supermarkt, um unsere Vorräte aufzustocken. Und da trifft uns mal wieder der Schlag. Wir wissen zwar inzwischen von zahlreichen Restaurantbesuchen, dass Uruguay teuer ist, aber der Einkauf übertrifft alle Vorstellungen. Selbst in der Schweiz hätten wir einen besseren Warenkorb bekommen. Alles außer Käse, Wein, Fleisch und (nicht exotisches) Gemüse – also alles, was importiert werden muss - ist quasi unbezahlbar. Nur ein paar Beispiele: Lindt Schokolade (300g) 20 Euro, gewöhnliches Shampoo ab 10 Euro, Kartoffelchips ab 5 Euro.... Da verzichten wir mal lieber auf ein paar Gewohnheiten. Dafür decken wir uns mit Mate Tee und Dulce di Lece ein – ein bisschen lokale Kultur muss schon sein :-).


Wir machen uns auf den Weg zur TerraVentura, ein beliebter Stellplatz bei Overlandern, geführt von Deutschen. Inzwischen ist es schon dunkel. Die Straßen sind wirklich okay für südamerikanische Verhältnisse, aber die Navigation nicht ganz einfach. Als wir endlich ankommen, stellen wir fest, dass unsere Heckbox, die wir auf dem Fahrradträger montiert haben, abgerissen ist. Oh je! Das muss wohl der Speedbump (Anm. d. Red.: Straßenschwelle) gewesen sein, den Micha mit Vollgas überfahren hat. Ein Glück, dass wir die Kiste zusätzlich mit Seilen gesichert hatten. Das hätte böse ausgehen können... Und die Jungs von TerraVentura haben gottseidank auch eine Autowerkstatt. Das könnte unsere Rettung sein. Am kommenden Morgen sprechen wir mit Felix und er kann uns die Box am darauffolgenden Tag direkt an die Rückwand montieren. Puh! Die Wartezeit nutzen wir, um alles Gepäck zu verstauen und ein paar kleinere Reparaturen zu machen.


TerraVentura UY Storage viva la familia Montevideo Uruguay
Die Jungs von TerraVentura haben kurzerhand unser Heckbox Problem gefixt

Jetzt kann es endlich losgehen! Wir sind sehr gespannt, was Uruguay außerhalb der Städte zu bieten hat.



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