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Belize it or not?

  • Autorenbild: Marion Marquardt
    Marion Marquardt
  • 14. März
  • 5 Min. Lesezeit

Aktualisiert: vor 14 Stunden

Kaum in Mexiko angekommen, schon geht es gefühlt weiter ins nächste Land. Gerade mal 2 Wochen waren wir hier "on the road". Die Yucatan Halbinsel haben wir bewusst links (im wahrsten Sinne) liegen lassen. Die Distanzen sind einfach zu groß für die etwa 2 Monate, die wir haben. Dennoch hat uns Mexiko in der kurzen Zeit mit Maya Stätten und kristallklarem Wasser beeindruckt.


Jetzt geht's zur Grenze nach Belize. Solche Tage sind immer stressig, viel Wartezeit, Dokumentenkontrollen und und und. Die Ausreise aus Mexiko geht recht schnell; um den Ausreisestempel zu bekommen, müssen wir bei der Frau im Grenzhäuschen allerdings erst eine Touristensteuer bezahlen - 60 USD pp. umgerechnet. Eine stolze Summe, und das in cash. Wir kratzen die letzten Pesos zusammen. Dann dürfen wir weiter... Moment mal, wir haben gar keine Quittung bekommen. Schön langsam dämmert es uns. Und als wir einige Kilometer später im Einreisegebäude von Belize einige Google Abfragen machen, wird klar: das war ein Scam! Das erste Mal in den mehr als 3 Jahren auf diesem Kontinent sind wir Opfer geworden. Wir hatten es keine Sekunde hinterfragt, nie war so etwas Thema. Die mysteriöse Touristensteuer ist wohl zwar berechtigt, wird allerdings bei Einreise erhoben. Beim Flug ist sie automatisch inbegriffen, d.h. wir haben doppelt gezahlt. Auch ein Schweizer Ehepaar, das kurz vor uns die Grenze passiert hat, erwischt es. Sehr ärgerlich. Sichtlich angefressen, bringen wir die (sehr umständlichen und durchweg analogen) Grenzformalitäten in Belize hinter uns; dann noch schnell eine KFZ Haftpflichtversicherung abschließen und Geld (Belize Dollar) abheben. Nach etwa 2 Stunden sind wir durch. Solche Tage sind anstrengend, selbst wenn alles nach Plan läuft.


Nun sind es noch etwa 2,5 Stunden Fahrt bis zum Tagesziel. Gleich am nächsten Tag werden wir nämlich einige Tage auf Caye Caulker verbringen, eine der bekanntesten Inseln vor Belize. Wir fahren den alten Hafen von Belize City an, wo wir unser Auto sicher abstellen können. Die Fahrt zieht sich; zudem sind die Temperaturen wieder deutlich gestiegen seit wir an der Küste sind. Das ist aber auch schon alles an Gemeinsamkeit mit Südmexiko. Die Architektur erinnert an karibische Inseln, die Bevölkerung sieht sehr viel dunkler aus und auf einmal spricht man Englisch. Nach so vielen Jahren in Südamerika, wo überall Spanisch gesprochen wurde, zuviel für unseren Kopf. Erstmal schlafen.


Am nächsten Morgen sieht die Welt schon besser aus. Wir packen unsere sieben Sachen und ab geht's zum Fährterminal. Die Leute hier sind wirklich alle sehr freundlich und relaxed und - auf lustige Weise - auch ein bißchen verballert. Liegt vermutlich an der Affenhitze. Auf der Insel geht es lässig zu, keine Autos, nur Fahrräder und Golfcarts sind unterwegs. Und unzählige Touristen. Gefühlt die halbe USA überwintert hier. Dass es touristisch ist, wussten wir, aber damit haben wir nicht gerechnet. Das treibt natürlich auch die Preise enorm hoch, so gehen wir nicht unter 50 USD frühstücken. Warum sind wir dann überhaupt hier? Wir wollen die Tierwelt unter Wasser sehen. Vor der Küste von Belize befindet sich das zweitgrößte Riff der Welt, was für unglaublichen Artenreichtum sorgt.



Not macht erfinderisch...
Not macht erfinderisch...

Gleich nach der Ankunft geht's erstmal zur Giant Cave bzw. dem Eingang der Höhle. Sie liegt nämlich unter Wasser und ist nur zertifizierten Höhlentauchern zugänglich. Zu Maya Zeiten war sie über dem Meeresspiegel, sie ist voller Stalagniten und Stalagtiten, man hat sogar Maya Keramik gefunden. Diese haben die Höhle für ihre Totenrituale genutzt. Interessant für uns ist sie wegen ihrer unterirdischen Süßwasserquelle; die zieht nämlich Tarpune an. Ein Jungbrunnen für die Knochenfische, die bis zu 100 Jahre alt werden. Sie haben keine Zähne und schlucken ihre Beute im Ganzen. Zum Jagen nutzen sie oft ein spektakuläres Sprungverhalten. Genau das wollen wir sehen. Ich bzw. der Fisch zwischen meinen Fingern ist der Köder. Ein bisschen Mut gehört schon dazu...


Tarpunfütterung
Tarpunfütterung

Die Sonnenuntergänge können sich sehen lassen
Die Sonnenuntergänge können sich sehen lassen

Am nächsten Tag gehe ich auf eine ganztägige Schnorcheltour. Diego für 6 Stunden auf dem Boot mitzunehmen, macht absolut keinen Sinn. Und so verbringt er einen entspannten Tag mit Micha auf der Insel. Wir stoppen mit dem Boot an unterschiedlichen Orten, schnorcheln über dem Korallenriff und schwimmen mit Meeresschildkröten. Der spektakulärste Halt ist allerdings die sogenannte Shark Ray Allee. Hier tummeln sich die Haie und Stachelrochen. Kaum angekommen sind wir umzingelt (und nein, wir füttern sie nicht an). Etwas mulmig ist mir schon, als ich ins Wasser springe. Was für ein Erlebnis. Micha lässt sich das Spektakel natürlich nicht entgehen und macht dieselbe Tour am nächsten Tag.


Einmal im Wasser fühlt es sich ganz normal an, mit den Haien zu schwimmen
Einmal im Wasser fühlt es sich ganz normal an, mit den Haien zu schwimmen


Echte Strände gibt's auf der Insel übrigens nicht. Dafür den legendären Split. Die Insel wurde in den 60er Jahren von einem Hurrikan in Nord- und Südinsel geteilt. Nun ist hier ein Kanal für Boote, eine Badeplattform sowie die Bar "Lazy Lizard". Diese Institution ist ein Muss, ebenso wie der Caye Caulker Signature Drink - der Lizard Juice. Warum der Name? Er ist grün und nach 3-4 davon kriecht man nach Hause wie ein Lizard (zu deutsch: Eidechse). Haben wir natürlich getestet!


Lizzard Juice - noch steht Sie gerade
Lizzard Juice - noch steht Sie gerade


The Split - Place to be at Caye Caulker
The Split - Place to be at Caye Caulker

Nach 4 Tagen verlassen wir die Insel, mit gemischten Gefühlen. Die Natureindrücke waren toll, der Massentourismus hingegen ist so gar nicht unser Fall. Mit dem Camper hoffen wir, noch ein paar weniger überfüllte Orte in Belize zu erkunden. Wir suchen gezielt nach schönen Campingplätze, oftmals von Auswanderern. Die Strände geben leider momentan nicht viel her. Die jährliche Algenpest hat früher als gewohnt Einzug gehalten. Durch die vermehrten Düngemittel, die über den Amazonas ins Meer gelangen, wird das Problem in der Karibik immer größer. Manatees, sog. Seeelefanten können wir leider auch nicht sehen, da das Wasser sowohl im Meer als auch in dem Süßwasserlagunen sehr trüb ist. So fahren wir langsam in Richtung Guatemala, queren damit das Hinterland von Belize. Es wird noch heißer und die Moskitos plagen uns Tag und Nacht. Wir möchten zumindest noch ein paar Eindrücke des Dschungels mitnehmen und fahren zum Barton Creek. Hier gibt es kristallklares Wasser und beeindruckende Höhlensysteme, die schon von den Mayas genutzt wurden. Wir erkunden die Landschaft mit Kajaks, natürlich mit Guide. Die sehr strengen Regeln (ob zum Schutz der historischen Artefakte oder um den Touristen abzuknöpfen?) erlauben nichts auf eigene Faust. Wir lassen uns also durch einen kleinen Teil der etwa 8 km langen Höhle paddeln. Unser Guide erklärt uns nicht nur die geologische Entstehungsgeschichte, sondern auch die grausamen Rituale der Maya, die mit Artefakten wie Keramik und Skelette, belegt sind. Ein etwas anderer Einblick in die Welt der Maya.


Am Barton Creek - Eingang zum Höhlensystem im Dschungel
Am Barton Creek - Eingang zum Höhlensystem im Dschungel


Und mit diesen Erlebnissen im Gepäck geht es nun schon nach 2 Wochen über die Grenze nach Guatemala. Was ist denn nun unser Fazit zu Belize?


Belize ist - zumindest für uns - kein Highlight Land. Warum?

  • ​Die (Unter) Wasserwelt ist wahrlich beeindruckend, ansonsten gibt das Land nicht viel her.

  • Zudem ist das Müllproblem unübersehbar. An den Stränden wird er angeschwemmt, im Hinterland sind überall riesige Deponien (oder eher Schrotthaufen und unentsorgter Müll).

  • Die Hitze im Hinterland übertrifft alles bisher erlebte; zudem sind die Moskitos und andere Steckmücken eine echte Plage. Sie quetschen sich wahrlich durch jede Ritze in den Camper.

  • Das Preisniveau ist überirdisch, für uns nach Uruguay und Costa Rica unter den TOP 3 auf der Reise. Angefangen bei Guides und Eintritten, was mit Sicherheit an den vielen Touristen aus Nordamerika liegt. Die Preise für Lebensmittel und Konsumgüter sind durch die Importabhängigkeit getrieben. Belize selbst hat kaum Industrie und Landwirtschaft, und das Wenige wird exportiert. Kaum ein Gut, das nicht importiert ist. Aufgrund der schlechten Beziehungen zu den Nachbarländern Guatemala und Mexiko, von anderen Ländern, hauptsächlich den USA.

  • Gefühlt ist das Land übervölkert mit US Amerikanern und Kanadiern, die dort überwintern oder ganz ausgewandert sind. Die fehlende Sprachbarriere und die günstige Gesetzgebung für ausländische Investoren machen es einfach. Immerhin gibt es dadurch so etwas wie Campingplätze. Ein Belizianer würde den Bedarf gar nicht erkennen und den Standard ebensowenig. Authentisch fühlt sich das Land allerdings dadurch auch nicht an.


Kurzum für uns eher BELIZE IT NOT.


2 Kommentare

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Heidi
vor 16 Stunden
Mit 5 von 5 Sternen bewertet.

Interessante Eindrücke! Ich kenne Belize von einer Reise vor 40 Jahren. Aber ich denke, nach eurem Bericht muss ich da nicht mehr hin.! Weiterhin eine schöne Reise!! Schöne Grüße, Heidi

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Gast
vor 14 Stunden
Antwort an

Hallo Heidi, nop, nur zum tauchen wäre es sicher na h wie vor cool. LG

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