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  • AutorenbildMarion Marquardt

Bariloche - die argentinische Schweiz

Das Hochgebirge von Huapi erinnert an Schweizer Landschaften
Alpines Hüttentrekking oberhalb des Lago Nahuel Huapi
Verträumte Bergseen, herbstlich leuchtende Täler und steile Gipfel - ein Traum zum Wandern
Schokolade, Raclette und die ein oder andere Begrüßung auf Deutsch machen das Bild komplett

Nach mehr als 8 Wochen am Stück in Chile zieht es uns wieder nach Argentinien. Wir queren die Grenze bei Villa La Angostura, mit dem Ziel Bariloche. Das ist wohl einer der bekanntesten Flecken in Argentinien - auch argentinische Schweiz genannt. Der Name kommt nicht von ungefähr. Schroffe Felsen, malerische Bergseen und wunderschöne Täler erinnern an die Schweizer Alpen. Zudem gibt es hier viele Schweizer (und auch Deutsche) Auswanderer in erster und zweiter Generation. So werden wir schon mal mit Worten wie "Schnittlauch" und "Kartoffelpuffer" konfrontiert. Und tatsächlich gibt es eine lange Schokoladenkultur in Bariloche. Jedes Jahr an Ostern findet in der Stadt ein riesiges Fest statt, bei dem die größte Tafel Schokolade der Welt produziert wird - aus 2 Tonnen Schokolade. Wir verzichten, denn Städte und Massenansammlungen sind nicht so unser Ding. Zudem haben wir uns seit etwa 2 Monaten eine Schokoladendiät auferlegt...


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Bariloche - auch argentinische Schweiz genannt

Die Stadt bleibt uns dennoch nicht erspart, da wir einiges erledigen müssen (Sondereinkäufe, Arztbesuche, Geldabhebungen etc.). Immerhin findet man hier viele gute Cafés. Und sogar eine Brezelbäckerei entdecken wir. Leider werden wir geschmacklich arg enttäuscht... Sobald das wichtigste erledigt ist, zieht es uns raus in die Natur. Wir wollen das legendäre Hüttentrekking im Nationalpark Huapi machen. Leider können wir nur zwei von vier Hütten buchen, so verkürzt sich das Trekking auf 3 Tage. Auch okay - ein Zelt wollen wir deswegen nicht mitnehmen. Wir genießen es, zum ersten Mal in Patagonien mit leichtem Gepäck zu laufen. Am Abend zuvor sind wir bei Germán und seiner Familie eingeladen. Wir haben ihn auf unserer Antarktis Reise kennengelernt, wo er als Kajakguide im Expeditionsteam gearbeitet hat. Schon über 5 Monate sind nun vergangen... Wir freuen uns riesig über das Wiedersehen und genießen den kurzweiligen Abend bei leckerem Essen und Wein. Und wir dürfen sogar unseren Camper für die nächsten Tage bei Germán in der Einfahrt parken - eine Erleichterung, wenn man von den ganzen Einbruchwarnungen der Locals und Reisenden hört. Germán fährt uns sogar zum Trailhead.


Entspannt starten wir am Donnerstag frühnachmittags zur Wanderung. Auf halber Strecke fällt uns auf, dass wir vergessen haben, unsere Bargeldvorräte im Geldbeutel aufzufüllen. Oh je... Für die Übernachtung reicht es gerade so, das Essen auf den Hütten müssen wir stark limitieren... Aber vielleicht gibt's ja Lösungen. Immerhin sind wir im freundlichen Argentinien. Zurück zum Auto ist keine Option.


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Refugio Frey


Der Weg zum Refugio Frey ist verhältnismäßig einfach. Es sind viele Tagestouristen unterwegs, die uns entgegenkommen. Nach knapp 3 Stunden erreichen wir die Hütte. Gerade rechtzeitig, um bei bestem Licht einige Aufnahmen von der Laguna Tonchek zu machen. Und wir können ein Condor-Pärchen beobachten, das sich in den umliegenden Gipfeln eingenistet hat und mit Ihrem Nachwuchs Flugrunden dreht. Ein anmutiger Anblick! Danach registrieren wir uns in der Hütte. Das Personal ist super freundlich, es herrscht fast eine familiäre Atmosphäre. Wir hatten uns auf einen sehr touristischen Ort eingestellt und sind positiv überrascht. Vielleicht liegt es allerdings auch daran, dass die Saison fast zu Ende ist. Mit dem Hüttenwirt, der unseren Freund Germán und seinen Sohn kennt, können wir uns darauf einigen, das Essen per Überweisung zu bezahlen. Puh! Wir sind erleichtert und bestellen das 3-Gänge-Menü plus Frühstück. Und so werden wir mit Zwiebelsuppe, Fleisch mit Kartoffelpüree und einem hausgemachten Kuchen verwöhnt. Im Laufe des Abends wird die Hütte noch etwas voller, dennoch ist der Schlafsaal gerade mal zu einem Viertel ausgelastet. Ein echter Genuss, auf einer Wanderung mal nicht selbst kochen und im Zelt schlafen zu müssen :-)

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Alpenglühen an der Laguna Tonchek
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Wunderschöne Herbstfarben im Valle Rucaco

Am nächsten Morgen können wir gegen 8 Uhr das erste Alpenglühen beobachten. Eine angenehme Uhrzeit; aber immerhin ist es auch schon Spätherbst. Die Nächte sind bitterkalt hier oben, unter dem Gefrierpunkt. Vor uns liegt ein perfekter Herbsttag. Es dauert ein paar Stunden, bis die Sonne Kraft hat. Durch den Aufstieg auf den ersten Pass wird es uns allerdings gleich warm. Wir genießen ein atemberaubendes Panorama ins Valle Rucaco. Die Bäume leuchten in intensivem Gelb und Rot. Wir steigen über einen steilen Geröllpfad ins Tal ab. Jetzt haben wir uns eine Pause verdient. Das Wetter lädt zum Sonnen ein und so dehnen wir die Pause aus. Bis zum Refugio Jakob ist es allerdings noch ein Stückchen. Wir haben einen Pass vor uns – immerhin nur etwa 500 Höhenmeter. Oben angekommen sehen wir schon die Hütte, die idyllisch am gleichnamigen See liegt.


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Wildes Abendrot am Refugio Jakob

Hier ist etwas mehr los und das Management etwas unpersönlicher. Wir sind froh, unser Geldproblem an der ersten Hütte gelöst zu haben; hier wäre ein solcher Vertrauensdeal wohl nicht möglich gewesen. Und so können wir uns wieder mit einem 3-Gänge-Abendessen verwöhnen. Wir sitzen mit unseren Mitbewohnern aus dem 4-Bett-Zimmer am Tisch, Rodrigo aus Buenos Aires, mit seinem 10-jährigem Sohn. Neben uns ein Schweizer-Britisches Pärchen. Der Abend wird gesellig. Wir tauschen Reiseanekdoten und interessante Geschichten aus unseren Heimatländern aus. Und wir lernen, dass spätestens seit der letzten Fußball-WM, Messi der berühmteste Argentinier ist. Kein Zweifel!



Am nächsten Tag geht es leider schon wieder zum Abstieg nach Bariloche. Der Weg ist super einfach, aber leider bei weitem nicht so schön, wie am vorherigen Tag. Nun ja… nach knapp 3 Stunden erreichen wir den Trailhead. Eine Horde Kindergartenkinder frägt uns „Maradona o Messi?“ Ganz klar, was wir antworten :-)


Germán hat angeboten, uns nach der Wanderung abzuholen. Da wir ihn nicht direkt erreichen, gönnen wir uns erstmal im nächsten Café ein leckeres Sandwich. Immerhin hatten wir kein Frühstück. Gut, dass man in der Zivilisation mit Karte zahlen kann. Wir sind blank bis auf den letzten Peso :-) Später erklären wir unserem argentinischen Freund zähneknirschend, dass wir auf seinen Namen Schulden gemacht haben; denn die Überweisung können wir nicht selbst machen. Das „MercadoPago“-System steht nur für argentinische Konten zur Verfügung. Er lacht nur „No problema“. Und wieder einmal sind wir so froh um die offene, lösungsorientierte Art der Argentinier. Damit verabschieden wir uns von Germán und hoffen, ihn bald in Europa zu treffen, wo er eine Alpenquerung mit dem Fahrrad machen will!

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